In Kärnten startete der Rundfunk auf UKW in den 1950er Jahren. Da auch in den 1970er und 1980er durch das ORF Monopol nur Ö1, Radio Kärnten und Ö3 senden durften, strahlten einige Radioprogramme aus Italien nach Kärnten. So gab es auch bereits damals „private“ Radioprogramme.

In den 1990er Jahren fiel schließlich das ORF Monopol, jedoch ist Österreich (und auch Kärnten) ein Sonderfall, denn auch heute noch ist der ORF Markführer. Die Privaten tun sich neben den ORF recht schwer, nur Antenne Kärnten hat mittlerweile eine große Hörerschaft. Ansonsten hinkt die Entwicklung in Österreich etwas hinterher, es gibt sehr wenig Radioprogramme. Im neuen Jahrtausend kamen nur mehr Kronehit, Radio Harmonie und Radio Maria hinzu. So kommen wir auf insgesamt 5 Privatsender für ganz Kärnten.  Seit einigen Jahren sendet Welle 1 auf den ehemaligen Frequenzen von Radio Harmonie.

Österreich wird daher gern als „Medienalbanien“ bezeichnet, da die Politik noch fest mitmischt, wer welche Frequenzen zugeteilt bekommt. Österreich hat auch verschlafen, sich neue Frequenzen zu sichern und daher bereits den Anschluss verloren. In Kärnten sieht es nach derzeitigen Stand so aus, dass sich an der minimalen Auswahl auch in absehbarer Zeit nichts ändert.

 

Radiogeschichte Kärnten

Die Geschichte des Radios in Kärnten ist eine besonders lange, oftmals äußerst bemerkenswerte oft aber auch negative Entwicklung. In Kärnten wurde im vergangenen Jahrhundert Rundfunkgeschichte geschrieben mit den legendären „Alpensendern“ , die von Italien eine Vielfalt in das durch des ORF-Monopol geprägte Österreich brachten. Die „glorreichen“ Jahre des Kärntner Rundfunks waren wohl die 1980er und die 1990er, ehe auch in Österreich mit dem beginnenden Fall des Monopoles sich eine Liberalisierung abzeichnete.


Als die „Alpensender“ aus Italien Ende der 1990er und Anfang der 2000er endgültig off air gingen, glaubte man an die Zukunft des eigenen, österreichischen Privatradios. Übrig geblieben von dieser Hoffnung ist jedoch wenig, denn gerade in Kärnten, das früher solch eine große Auswahl an Radioprogrammen aufwies, ist die Radioszene heute am geringsten von ganz Österreich ausgeprägt.

Den Start des Rundfunkzeitalters in Kärnten vorausgegangen ist die Gründung der RAVAG (Radio Verkehrs AG) in Wien, die dort 1924 im Zentrum Wiens den Sendebetrieb aufnahm. Bald begann man mit der Übertragung auf dem Rosenhügel bei Wien auf Mittelwelle.

In Kärnten begann die Ära ebenfalls auf Mittelwelle 1000 kHz mit dem Bau des Senders in Klagenfurt/St. Peter auf dem Areal der Windisch-Kaserne. Der 12. Februar 1927 gilt als offizieller Sendestart auf 1100 kHz. Wegen der sehr langen Zuführungsstrecke aus Wien kam es zu häufigen Störungen und Ausfällen. Mit Inkrafttreten des Brüsseler Wellenplanes am 13. Januar 1929 wurde die Frequenz auf 662 kHz und nach dem Luzerner Wellenplan am 15. November 1934 auf die Gemeinschaftsfrequenz (mit Linz-Freinberg) 1294 kHz geändert.

Während der nationalsozialistischen Zeit ging die RAVAG in die „Reichsrundfunk“ über, es wurden zahlreiche Kleinsender in Kärnten errichtet. Gesendet wurde 1285 kHz, sie wurde „Ostmärkische Gleichwelle“ genannt.

Mit Kriegsende 1945 waren in Kärnten einige Mittelwellen-Standorte aktiv: Klagenfurt mit 7 kW auf 1285 kHz, Kötschach mit 1285 kHz (0,1 kW), Radenthein (0,1 kW) sowie Villach und Spittal an der Drau.

Nach dem Krieg wurde Kärnten ein Teil der britischen Besatzungszone und es wurde die Sendergruppe „Alpenland“ gegründet. In Klagenfurt wurde 1947 auf 15 kW erhöht. Nach einem neuen Wellenplan, dem Kopenhagener Wellenplan, erhielt Klagenfurt die Frequenz 719 kHz, letztendlich wählte man aufgrund von Interferenzen jedoch die 728 kHz.

1953/54 erfolgte der Bau einer neuen MW-Sendeanlage in „Klagenfurt-See“. Als Standort wurde wegen der günstigen Bodenleitfähigkeit das sumpfige Ufer des Wörthersees gewählt. Der erste 25 kW-Sender sendete ab 18. Juli 1954 das 1. (regionale) Programm auf 728 kHz.

1953 wurde aus „Radio Wien“ der „Österreichische Rundfunk“, dem in der Folge die Sender der anderen Besatzungszonen eingegliedert wurden, auch „Radio Alpenland“. 1955 kam ein Sender vom nicht mehr benötigten MW-Standort in Wien nach Klagenfurt und wurde am Pfaffenberg im Süden der Stadt aufgestellt. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche Mittelwellen-Standorte in Kärnten, um die Empfangslücken im Gebirge zu schließen. 1957 gab es in Kärnten bereits über 20 MW-Standorte, der Hauptstandort war Klagenfurt mit 25 kW.( Liste von 1957 )

Der Pyramidenkogel ist ein 850 Meter hoher Berg am Südufer des Wörther Sees in Mittelkärnten. In den 1960er Jahren wurde ein Ausssichtsturm mit 54 Meter Höhe errichtet, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel in Kärnten entwickelte.

Der Pyramidenkogel ist ein 850 Meter hoher Berg am Südufer des Wörther Sees in Mittelkärnten. In den 1960er Jahren wurde ein Ausssichtsturm mit 54 Meter Höhe errichtet, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel in Kärnten entwickelte.

Jedoch kam es zu großen Problemen, da besonders im Gebirge die Versorgung mit Mittelwelle nur beschränkt möglich war und dadurch große Teile der Bevölkerung unversorgt blieben. Daher begann bereits ab 1953 der UKW-Ausbau. Im Gebirge war UKW klar überlegen, z.B im gebirgigen Oberkärnten, da die Reichweite klar kalkulierbar und die Versorgung einfacher möglich war.

Am 06. September 1953 schlug auch in Kärnten die Geburtsstunde für UKW: In Klagenfurt/St. Peter ging gemeinsam mit Wien der erste UKW-Sender Österreichs, zunächst versuchsweise, on air. Gesendet wurde auf 93.00 mit 1 kW. Da es damals noch keine ausgereifte Zuführung gab (wie etwa Ballempfang) kam das Programm in Tonbändern von Wien nach Kärnten.

Bild rechts: Auch heute wird vom Pyramidenkogel gesendet: Der in den 1970ern errichtete Aussichtsturm Pyramidenkogel dient heute als privater Sendestandort. Senderfotos

1957 bekam Kärnten erstmals einen richtigen UKW-Standort: Am Pyramidenkogel hoch über dem Wörthersee wurde am 01. Dezember ein 59 m hoher abgespannter Portalrohrmast errichtet. Diese Anlage bestand aus 2 Rohrmasten mit „Brücken“ auf denen Richtantennen montiert waren. Die UKW-Kreuzdipolantennen waren auf einen dieser Rohrmasten aufgesetzt.

1957 den folgende Programme vom Pyramidenkogel übertragen:
1. Programm: 97,80
3. Programm: 93,00 jeweils mit 10 kW

Da jedoch Mittelkärnten topografisch sehr hügelig ist und durch zahlreiche Täler und Becken geprägt ist, eignete sich die Versorgung durch den nur 800 Meter hohen Pyramidenkogel nur unzureichend für Kärnten. Man suchte daher einen möglich höchstgelegenen Standort und fand ihn im Dobratsch, ein Massiv im Südwesten der Stadt Villach, dessen Spitze 2145 Meter erreicht. Dort oben begannen Anfang der 1970er Jahre die Bauarbeiten zum neuen „Großsender“ des ORF. Eigentlich sollten die Bauarbeiten bereits 1960 beginnen, jedoch kam es aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten zu einer Verzögerung.

Die Sendeanlage ist ein 167 Meter hoher Hyrbidturm, also ein Stahlmast mit GFK-Antennenzylinder, der auf eine Stahlbetonkonstruktion aufgesetzt wurde. Die Sendeanlage ist 3-fach abgeschirmt. Der Dobratsch ist die höchstgelegene "Großsendeanlage" in Österreich. Gemeinsam mit dem Kahlenberg ist er die höchste und größte Rundfunksendeanlage Österreichs.

Die Sendeanlage ist ein 167 Meter hoher Hyrbidturm, also ein Stahlmast mit GFK-Antennenzylinder, der auf eine Stahlbetonkonstruktion aufgesetzt wurde. Die Sendeanlage ist 3-fach abgeschirmt. Der Dobratsch ist die höchstgelegene „Großsendeanlage“ in Österreich.
Gemeinsam mit dem Kahlenberg ist er die höchste und größte Rundfunksendeanlage Österreichs.

Der Bau am Dobratsch dauerte einige Jahre und wurde 1971 abgeschlossen. Für den Bau wurde ein neuer Fahrweg angelegt und für die regelmäßige Wartung eine Seilbahn von Bad Bleiberg an der Nordseite errichtet. Seit 1971 versorgt der Dobratsch leistungsfähig weite Teile Kärntens, unter anderem die wichtigsten Städte des Landes, Klagenfurt und Villach. Außerdem nutzt man die hohe Lage des Dobratsch auch heute noch vor allem für die Zuführung: Durch die Höhe kann er via Ballempfang das Signal an zahlreiche kleine Füllsender weiterleiten.

1968 überstieg österreichweit die Reichweite von UKW erstmals die der Mittelwelle, auch in Kärnten wurden zahlreiche weitere Füllsender aufgestellt um Versorgungslücken zu schließen. 1977 erfolgte die Einstellung der „Österreich-Regional“ Programme über Mittelwelle.

Bild rechts: Der Dobratsch-Sender der ORS heute. Wichtiger Standort für UKW und DVB-T, der weite Teile Kärntens versorgt. Weitere Fotos und Informationen zum Sender Dobratsch

 

In den folgenden Jahren etablierte sich das Medium UKW in Österreich und Europa weiter und die Mittelwelle verlor immer mehr an Einfluss. Der ORF errichtete ein dichtes Sendernetz, um eine möglichst 100%ige Versorgung von Kärnten zu erreichen. So wuchs die Zahl der Sender auf insgesamt 47 Sender (Stand: 2012) an. valcanalelogo

Mit der besseren Ausreifung der UKW-Technik begannen sich jedoch auch andere, die vom Medium Radio fasziniert waren für UKW zu interessieren. Rasch wurde der Wunsch geboren selbst senden zu können. Dies war jedoch mit dem ORF-Monopol, was dem ORF das alleinige Verbreiten auf UKW und TV erlaubte, untersagt.

Den Radiomachern kam hier im Falle von Kärnten das Nachbarland zu Hilfe: 1976 fiel in Italien das staatliche Monopol, womit hier auch legale, private Programme neben der staatlichen RAI erlaubt wurden. Da es die italienische Politik jedoch verabsäumte einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, war es ab 1976 jedermann möglich eine UKW-Lizenz zu ergattern und Rundfunksender aufzustellen. 1977 genügte es eine Postkarte mit den Worten „ich sende nun auf der Frequenz xx in Tarvisio“ an die Post und einigen weiteren Behörden zu schicken, damit der Sender legal on air war.

schlageradiologo

Ein wahrer Boom brach aus in Italien, der flächendeckend das ganze Land überzog. Auf vielen Bergen wurden neue UKW-Antennen errichtet, neue Betreiber versuchten ihr Glück in der noch unausgeschöpften Radioszene Italiens.

So kam man auch in Kärnten auf die Idee aus Italien für Kärnten Radio zu produzieren – die Idee war simpel: Deutschsprachiges Programm mit deutschsprachiger Werbung aus Italien zu senden und somit das ORF-Monopol zu umgehen.

Das grenznahe Städtchen „Tarvis/Tarvisio“ wurde nun interessant und man suchte möglichst hochgelegene Standorte, die eine gute Reichweite nach Kärnten erreichen. Gefunden hat man ihm im Monte Santo di Lussari, einem 1700 Meter hohen Berg im Süden von Tarvisio, der eine alte Wallfahrtskirche beherbergt. Als Sendestandort ausgewählt wurde der Monte Lussari vor allem wegen seiner Nähe zu Österreich und seiner hochalpine Lage, womit es möglich war, mit relativ geringer Sendeleistung ein großes Gebiet Kärntens und der Obersteiermark von Tarvis aus zu versorgen.megaherzlogo

Pionier war das legendäre „Radio Valcanale“, dass 1977 seinen Sendebetrieb vom Monte Lussari aufnahm. Dieses Programm blieb mit Unterbrechungen von 1977 bis 1998 on air, vorwiegend auf der Frequenz 103.40. Der genaue Sendebeginn von Radio Valcanale war der 21. Dezember 1977. Endgültig eingestellt wurde das Programm, nach mehreren Umbenennungen in den Jahren zwischendurch (u.a. trug es den Namen „Radio Sunshine“, „RTM“ oder „Radio Meha-Herz“) im Juli 1998.

Radio Valcanale war bekannt für seine Musikauswahl (hauptsächlich Deutscher Schlager und volkstümliche Musik) und war zu dieser Zeit für heimische Künstler und Musiker eine der wichtigsten Möglichkeiten sich der Öffentlichkeit gegenüber zu präsentieren.

1985 folgte parallel zu Radio Valcanale Radio Uno, ein Projekt von Willi Weber, der dafür einen neuen Standort auswählte. Seine Wahl fiel auf das Dreiländereck, Monte Forno, genannt, die Stelle wo Slowenien, Österreich und Italien zusammentreffen. Dieser äußerst exponiert liegende Standort erreicht eine erstaunliche Reichweite Richtung Österreich und war daher perfekt geeignet für das neue Projekt.radioteleadrialogo

Nach einigen Jahren auf 100,30 wechselte Radio Uno auf 101,10. Weitere Programme sendeten auf 99.20 (Radio Uno Studio 2), 101.60 (Radio Uno 3, Übernahme Klassik Radio) sowie Radio Uno Studio Quattro auf 104.50.

Radio Uno sendete kurzweilig auch auf der 105.50 und über Satellitenzuführung erreichte das Programm via UKW auch die italienische Adriaküste mit den Orten wie Bibione, Caorle oder Jesolo. Radio Uno beendete seine Sendetätigkeit im Jahre 2000. Der Betreiber Willi Weber ging bereits 1998 auf legalen Weg nach Österreich, wo er parallel zu Radio Uno Radio Wörthersee gründete.alpenadrialogo

Der große Erfolg der Tarviser Sender erklärt sich durch die bessere Musikauswahl, der lockeren und modernen Moderationsweise sowie die Möglichkeit Musikwünsche direkt abzugeben – ein hörernahes Radio war geboren. Außerdem wurden zahlreiche neue Konzepte entwickelt, die der ORF Kärnten noch nicht abdeckte, wie etwa eine Eishockey-Übertragung. Rasch wurden auch die Werbekunden aufmerksam und es wurde ein eigenes Werbebüro gegründet. Das Konzept war klar: Kleine Werbespots von Klein- und Mittelbetrieben, sowohl von italienischen als auch von kärntnerischen Unternehmen brachten gute Werbeeinnahmen und die Kanaltaler Programme wurden gern gehörte Sender in ganz Kärnten.

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Neben Radio Valcanale sendeten in nahezu drei Jahrzehnten noch viele weitere Programme vom Standort Monte Santo di Lussari (unvollständige Aufzählung):

Antenne Austria Süd
Radio Carinzia
Radio Nuova Radio Carinzia
Superradio
Radio Azzuro
Radio Time Dance FM
Radio Freies Europa
Radio (Tele) Alpe(n) Adria
Radio Bakkano

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Das letzte teils deutschsprachige Radio vom Standort Lussari war das Jugendradio „Radio Bakkano“ (1999 – Okt. 2001) welches neben Kärnten und Teilen der Steiermark auch die Gebiete von Friaul Julisch Venetien abdeckte.

Heute sendet auf der ehemaligen Radio-Bakkano-Frequenz der italienische Nachrichtensender „Radio 24“ (106,4 MHz). Mit diesem Betreiberwechsel endete wohl endgültig die seit 1977 andauernde Ära italienischer (kommerzieller) Privatradios mit Ausrichtung auf das österreichische Publikum. – Einzige Ausnahme ist noch Radio Maria Südtirol vom Standort Monte Forno (Dreiländereck).

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Hier einige Videos zum Thema, dank an Peter Petzner

 

Der Wille nach einer „freien“ und vielfältigen Radioszene war in Österreich lange Zeit nicht gewollt. Der generell sehr parteipolitisch organisierte ORF verhinderte über Jahrzehnte die Abschaffung des Rundfunk-Monopoles. Österreich galt als das vorletzte Land Europas, dass es privaten Radiostationen erlaubt hat ihre Programme zu verbreiten. Und auch dies ist nicht freiwillig geschehen.

Die Regierung sah keinen Grund sich für eine rasche Rundfunkliberalisierung einzusetzen, obwohl man sich auch in vielen Themen an anderen europäischen Staaten orientierte, im Rundfunkbereich verfolgte man jedoch den „österreichischen Weg“.

Der wesentliche Anstoß kam vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, der das Rundfunk-Monopol Österreichs unvereinbar mit dem Recht auf Freiheit sah. 1994/1995 wurde dieses Gesetz erstmals gelockert, das Monopol war damit aber noch lange nicht Geschichte. Nach einem behördlichem Hick-Hack und zahlreicher Hürden schafften es 1995 zwei Programme on air: Radio Melody in Salzburg (heute Antenne Salzburg) sowie Antenne Steiermark in Graz. Der 01.09.1995 gilt sozusagen als „Geburtstag“ des österreichischen Privatradios. Dennoch war der lange Weg zur gleichberechtigten Anerkennung von Privatfunk in Österreich ein langer und ziemlich holpriger Weg, der sich noch bis 2004 hinzieht, mit der „Bundesweiten Lizenz“ für Kronehit.

Der nächste Liberalisierungsschritt erfolgte 1998, als mit 01. April zumindest lokal, auf eine Region beschränkt, private Radioprogramme möglich wurden. Es folgte ein „Boom“ der kleinen Lokalsender österreichweit, hier gingen nun in Kärnten zahlreiche Programme wie Radio Villach (Frequenz 101,60), Radio Agora/Korotan (105,50) oder Radio Wörthersee (95,20) on air. Auch Antenne Kärnten startete am 05. Mai 1998 in Kärnten.

Doch diese Lokalprogramme hatten mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, da sie sich wirtschaftlich nicht rechneten.
Daher begann bald nach dem „Großen Boom“ Ende der 1990er auch der große Verfall der österreichischen Radioszene.

Mit 1. April 2001 trat wiederum eine geänderte Gesetzesfassung in Kraft, die es großen Verlagen erlaubt auch mehrere Sender in einer Region zu betreiben. Die finanziell angeschlagenen kleinen Programme werden nun von den großen Verlagshäusern förmlich „geschluckt“. Vor allem die Kronen Zeitung mit ihrem „Krone Hitradio“ übernahm zahlreiche Kleinsender. Aus Radio Wörthersee entstand Radio Harmonie, kleinere Programme stellten den Sendebetrieb ein. 2004 erfolgte die Ausstellung einer „bundesweiten Frequenz“ für Kronehit, dass nun erstmals den ORF gleichgestellt wurde. Damit waren halbwegs „normale“ mediengesetzliche Grundgesetze in Österreich hergestellt – 10 Jahre nach dem Start des ersten Privatradios. Die letzten Jahre waren geprägt durch eine Expansion von Kronehit und eine generelle Stagnation im österreichischen Medienmarkt.

Daraus ergibt sich auch schon die heutige Situation in Kärnten: Derzeit (Stand: Mai 2012) senden nur mehr Antenne Kärnten, Kronehit, Radio Maria und LoungeFM (nur Klagenfurt) in Kärnten. Richtiges Privatradio aus Kärnten gibt es also nur mehr maximal auf einem Programm. Und auch sonst ist die Radioauswahl in Kärnten nun eine der geringsten von ganz Österreich. Dabei war gerade Kärnten eines der Länder, die Österreichs Privatradio-Entwicklung nachhaltig geprägt hat. Heute ist Kärnten Schlusslicht und der ORF haushoch Marktführer. Österreichs jüngere Radiowelt ist geprägt von falschen Entscheidungen sowohl von Seiten der Politik, die den Privatfunk bis zuletzt immer Riegel vorschieben wollte und es teilweise auch heute noch tut, von den Sendebetreibern, aber auch von der österreichischen Gesellschaft, der es schlicht und ergreifend „wurscht“ ist und war, dass Österreich als vorletztes Land das Monopol abschaffte und eine parteipolitische Medienszene besitzt, die kaum Platz für kreative, neue Radioprojekte zulässt.

 

* Auf der Seite „Wabweb“ kann man in chronologischer Reihenfolge und ausgestattet mit viel Bildmaterial die Rundfunkgeschichte ganz Österreichs verfolgen. Zusätzlich gibt es umfangreiche Zusatzinformationen. Zur Website von Wabweb

* Die ausführliche Geschichte von Radio Uno kann man hier nachlesen: Zur Website von Radio Uno

* Auf Wikipedia gibt es weitere Informationen zur Entwicklung des Medium Radios in Österreich: Zum Wikipedia-Artikel

 

Buchtipp

Das Buch „Privatradio in Österreich“ beleuchtet den langwierigen und äußerst komplizierten Weg des Privatradios in Österreich. Es enthält ein Interview mit Radio Uno-Gründer Willi Weber, eine detailreiche Beschreibung der Entwicklung des Privatradios in Österreich, wie den Sendestart von Antenne Steiermark 1995 oder die weitere Entwicklung bis 2005. Außerdem gibt es einen genauen Überblick über alle Privatradio-Sender, die rund um die Jahrtausendwende on air waren.

„Privatradio in Österreich“ – eine schwere Geburt
Piraten, Profis, Pleiten
Werner Reichel, Michael Konvicka, Georg Streit, Rüdiger Landgraf
2006, 232 S.,Broschiert, ISBN 978-3-8329-4371-4
–> erhältlich bei NOMOS um 22 €

* Abschnitt „Anfangsjahre des Rundfunks in Kärnten“: Wabweb.net „ Die Geschichte des Rundfunks in Österreich
* Restliche Inhalte: „Privatradio in Österreich“, Werner Reichel, Michael Konvicka, Georg Streit, Rüdiger Landgraf, 2006, ISBN 978-3-8329-4371-4